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Schwerpunkt-Thema des aktuellen Mitteilungsblattes 2/2018

Immer mehr Jugendliche in der Schuldenfalle

Die Schweizer sind Weltmeister in Schuldenmachen. Zumindest was Hypotheken betrifft. In keinem anderen Land ist die Verschuldung der privaten Haushalte grösser. Während jedoch die Verschuldung in der Schweiz nur auf wenige Schultern verteilt ist, trifft sie Jugendliche viel häufiger.

Laut einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz ist jeder dritte Jugendliche verschuldet. Gründe dafür sind, dass sich Jugendliche stärker über den Konsum definieren, da ihnen eine Lebensperspektive fehlt. Verstärkt wird die Problematik durch soziale Netzwerke. Gemäss dem Schuldenreport «Radar 2014» der Inkasso-Dienstleisterin Intrum Justitia weist die Generation Internet das mit Abstand höchste Verschuldungsrisiko auf.

Dass die Jugendverschuldung ein weitverbreitetes Phänomen ist, stellen auch Sozialarbeitende in ihrer Beratungsarbeit fest. Simone Thoma, Sozialarbeiterin bei der Jugendberatung Stadt St.Gallen und Verfasserin der Masterarbeit «Jugendverschuldung als Anlass für Krisenintervention in der Jugendberatung», begegnet bei ihrer täglichen Arbeit immer wieder Jugendlichen, die mehrere Tausend Franken Schulden haben. Viele ihrer Schützlinge befänden sich in einer problematischen oder gefährdeten finanziellen Situation, die sie nicht aus eigener Kraft und auch nicht mithilfe ihres sozialen Umfeldes bewältigen könnten, so Simone Thoma.

In der Beratung geht es darum, die Jugendlichen in Krisensituationen zu begleiten und zu unterstützen. „Es ist eine anspruchsvolle, aber auch sehr spannende Aufgabe“, sagt Simone Thoma über ihre Arbeit. Verschuldungssituationen seien unbestritten eine grosse Belastung für die betroffenen Jugendlichen. Der Schuldenabbau sei das angestrebte Ziel, der Weg in ein unverschuldetes Leben meist eine grosse Hürde. Bekämen junge Menschen von ihrem sozialen Umfeld keine Hilfe bei der Schuldensanierung, benötigten sie die Unterstützung von Beratungsstellen. Diese Jugendlichen seien froh und dankbar um professionelle Unterstützung. Das interessante Beratungssetting mit Jugendlichen sei denn auch einer der Gründe gewesen, weshalb Simone Thoma ihre Masterarbeit zum Thema Jugendverschuldung verfasst habe.

Die Schuldenberatung ist aber nur Feuerwehr, wenn es bereits brennt. Es braucht Prävention, um den Umgang mit Geld mit den Jugendlichen zu thematisieren. Unter diesem Aspekt ist auch das St.Galler Lehrmittel «Aktuell» zum Thema «Geld und dessen Bedeutung für Jugendliche» zu sehen, das Simone Thoma zusammen mit Jacqueline Schneider und Katharina Fortunato von der Frauenzentrale mitentwickelt hat. „Mit diesem Instrument wollen wir einen Beitrag leisten zur Verminderung zukünftiger Schuldenkarrieren junger Erwachsener“, sagt Simone Thoma.

Maya Grollimund Bühler
Vorstandsmitglied

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Simone Thoma

Sozialarbeiterin
Jugendberatung Stadt St.Gallen


Beratung für Jugendliche

www.stadt.sg.ch/home/gesellschaft-sicherheit/jugendliche/beratung-hilfe-jugend/beratung-jugend.html

Die Beratungsstelle der Dienststelle «Kinder Jugend Familie» hilft bei Problemen in der Familie, am Arbeitsplatz oder bei Schwierigkeiten in Beziehungen und Freundschaften. Die Mitarbeitenden des Beratungsteams unterstützen Jugendliche von zirka 13 bis 22 Jahren, die in St.Gallen wohnen, zur Schule gehen oder arbeiten. Sie beraten persönlich und individuell. In Krisensituationen vermitteln sie bei Bedarf an spezialisierte Beratungsstellen weiter. Das Angebot der Dienststelle steht auch Eltern und Bezugspersonen offen. Die Beratung ist freiwillig, kostenlos und die Mitarbeitenden unterliegen der Schweigepflicht.