frauen bewegen

TAGBLATT online, 9.11.2016

Die Wahl von Donald Trump sei ein «furchtbares Signal», sagt Annette Nimzik, Vizepräsidentin der Frauenzentrale St.Gallen. «Ein Schlag ins Gesicht von Hillary Clinton, aber auch ein Schlag ins Gesicht jeder Frau.»

Die Mehrheit der Wählerschaft in den USA seien Frauen – «sie hätten es mengenmässig in der Hand gehabt, dass die Wahl einen andern Ausgang genommen hätte.» Die Frauen müssten lieber schneller wie langsam realisieren: «Steht endlich auf. Wählt Frauen – erst recht, wenn eine qualifizierte Frau parat steht, eine Frau mit politischer Erfahrung. Und wenn der Herausforderer ein Mann ist, der Frauen disqualifiziert, sich mehrfach Frauen gegenüber verbal vergriffen hat und politisch ein absoluter Nobody ist.»

Dass bei diesem Missverhältnis der beiden Kandidaten ein Mann wie Donald Trump gewählt wurde, ist für Annette Nimzik besonders erschreckend. Mit Trump habe nicht einfach ein Mann gesiegt; mit Trump habe ein Mann gesiegt, der ein «antiquiertes Frauen- und Familienbild zementiert; ein Mann, der sein Machogehabe zelebriert; ein Mann, der die Rolle der Frau darin sieht, hübsch, still und leise zu sein und fotogen neben ihm zu stehen».

Annette Nimziks Befürchtung: Dass dies «ganz subtil Männer mit konservativer Wertehaltung mehr oder weniger in ihrem Denken und Verhalten bestätigt.» Nicht nur in den USA, auch hierzulande. Und ihre Hoffnung: «Dass sich Wählerinnen und Wähler künftig bewusster verhalten. Und dass Frauen (und auch Männer) bei vertieftem Nachdenken wütend werden über das, was heute morgen in den USA geschehen ist , und sich vermehrt für Frauenanliegen in der Gesellschaft, in der Familie, in der Wirtschaft, in der Politik engagieren.»

TAGBLATT online, 9.11.2016
Regula Weik

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